Meinesgleichen

Die Oasen der Kleptokraten

Falter & Meinung | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Der Artikel kam mir erst in die Hände, als ich den obenstehenden Text schon geschrieben hatte, in dem steht, dass "die Banken uns das letzte Hemd ausziehen“. Damit können jene Gelder gemeint sein, die Banken verzockten, als sie unrealistischen Profitzielen hinterherhechelten. Man kann es auch so verstehen, wie es eine vom britischen Observer, der Sonntagszeitung der Guardian-Gruppe, nun publizierte Studie nahelegt. Die Summe des in Steuerinseln angelegten Geldes ist etwa so hoch wie jene des Bruttonationalprodukts der USA und Japans zusammen, etwa 26 Billionen Euro. Das Geld stammt von Privatpersonen aus Entwicklungs- und Schwellenländern und wurde mithilfe von Privatbanken dem Fiskus der Länder vorenthalten, also gestohlen.

Allein aus Ungarn lagern 200 Milliarden Dollar in Steueroasen. Viele Länder betteln um Schuldennachlässe, während Teile ihrer Eliten es vermeiden, zum Steueraufkommen beizutragen. Nicht nur die Schweiz und Liechtenstein, Monaco und San Marino figurieren unter den europäischen Steueroasen, sondern auch Luxemburg. Das schöne Ländchen stellt mit Jean-Claude Juncker nicht nur den Chef der Eurogruppe, es besetzt auch überproportional viele Posten in Europas Finanzinstitutionen. Wie machen das die Luxemburger? Und wäre es nicht ein gutes Investment notleidender Staaten, endlich das Regime der Kleptokraten zu durchbrechen und alle Steueroasen trockenzulegen? Aber dafür haben wir keine Zeit, wir müssen unsere Sparvorgaben einhalten!

Quellen:

* Heather Stuart: Wealth doesn’t trickle down - it just floods offshore, new research reveals.

(The Observer, 21.7.12)


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