Kommentar Fall Graf

Die Unschuld des Dritten Nationalratspräsidenten

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Martin Graf wird als Dritter Präsident des Nationalrats nicht zurücktreten. Der FPÖ-Politiker fühlte sich im Fall Gertrud Meschar verleumdet und nun amtlich bestätigt.

Ein gerichtlich bestellter Wirtschaftsprüfer attestiert ihm jetzt Schwarz auf Weiß, das Stiftungsvermögen der 90-Jährigen weder pflichtwidrig verwaltet noch eigennützig geschmälert zu haben. Graf sieht sich als Opfer von ORF, Krone und Österreich.

Er kann sich zurücklehnen. Der Druck ist weg, auch wenn ein Gerichtssprecher das Gutachten ein wenig relativiert hat.

Haben die Medien also gegen ihn kampagnisiert? Ja, zum Teil. Österreich stellte Graf wie einen Handtaschldieb dar. Doch das ist er nicht.

Grafs Vergehen ist ein anderes: Eine alte Frau beklagte sich, dass der Dritte Nationalratspräsident mit ihrem Geld das Wirtshaus ihres Bruders kaufte - und sich dort selbst einmietete. Sie beklagte, dass er sich nicht und nicht aus der Stiftung zurückzieht, obwohl sie dies wünscht.

Frau Meschar witterte, dass Grafs finanziell gebeutelte Anwaltsfreunde darauf warteten, sich mittels Anwaltsgebühren immer wieder ein Stückchen von ihrem Vermögen runterzuschneiden - sie fürchtete, wie Hans im Glück zu enden. Das hat die rüstige Dame mithilfe der Medien verhindert. Graf zog sich zurück.

Bleibt eine Frage: Wieso hilft Graf, immerhin Mitglied der Partei der "Tüchtigen und Anständigen“ einer Millionärin dabei, ihr Vermögen im Falle einer Pflegebedürftigkeit vor der Stadt Wien zu verbergen? Wieso soll der Steuerzahler für die Pflege einer Wohlhabenden aufkommen, nur weil sie stiften geht? Das könnte Graf der Öffentlichkeit noch erklären.


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