Am Apparat  Telefonkolumne

Was werfen Sie dem Außenminister vor, Frau Kristöfel?

Politik | Anruf: B. Narodoslawsky | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Zu Weihnachten war Christian Bucher in der Nähe der serbischen Stadt Pirot mit dem Auto unterwegs, schlief ein und tötete bei einem Unfall einen Menschen. Jetzt sitzt er in einem überfüllten serbischen Gefängnis. Seine Lebensgefährtin Radost Kristöfel will ihn heimholen. Sofort nach der Urteilsverkündung wurde ein Auslieferungsantrag eingeleitet. Doch bis jetzt hat sich nichts getan.

Frau Kristöfel, wann haben Sie Ihren Lebensgefährten das letzte Mal gesehen?

Im Mai, da hatte er bereits mehr als zehn Kilo abgenommen. Man kann ihn nur einmal in drei Monaten besuchen und nur drei Mal pro Woche kurz mit ihm telefonieren.

Wie geht es ihm?

Er ist in einem Gefängnis, das enorm überfüllt ist. Es ist für 1500 Leute konzipiert, aber es gibt dort 3600 Gefangene. Wenn wir telefonieren, haben wir aber nur wenige Minuten Zeit und müssen sehr viele Dinge besprechen. Wir müssen ihm Geld und Sachen zum Essen schicken. Es bleibt kaum Zeit, seine Lage zu beschreiben.

Helfen Ihnen die österreichischen Behörden?

Das Außenministerium hat sich korrekt verhalten und das Konsulat in Belgrad war sehr hilfsbereit. Aber seit zehn Wochen bekomme ich keine Information. Vor zehn Wochen sind die Papiere aus Serbien nach Wien geschickt worden. Aber seither heißt es nur: Bitte warten! Das Außenministerium wartet auf Papiere des Justizministeriums. Der Akt hat 16 Seiten, den kann man an einem Tag lesen. Da frag ich mich: Was ist da los? Warum dauert das so lange?

Was passiert, wenn Ihr Lebensgefährte nach Österreich überstellt wird?

In Serbien gibt es eine unbedingte Haftstrafe - man kann bis zu acht Jahre ins Gefängnis kommen. In Österreich gibt es eine bedingte Strafe. Mein Lebensgefährte ist ein österreichischer Staatsbürger, der beim Unfall nicht alkoholisiert war. Es war ein Sekundenschlaf, das kann jedem passieren.


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