Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Steinhof droht die nächste große Baustelle für Rot-Grün zu werden

Politik | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Die rot-grüne Stadtregierung kriegt das klebrige Thema Parkpickerl nicht mehr los (siehe Seite 14), bald könnte ihr der nächste Klotz am Bein hängen: Die Bürgerplattform Steinhof mobilisiert wieder gegen die Verbauung des denkmalgeschützten Areals am Otto-Wagner-Spital. Und sie hat die einflussreiche Kronen Zeitung auf ihrer Seite.

Vergangenen Herbst hatte die Initiative einen Teilerfolg errungen: Der Bauträger Gesiba, der mehrheitlich der Stadt Wien gehört, wollte rund 600 Wohnungen auf den Steinhofgründen errichten, die per Gemeinderatsbeschluss dafür gewidmet waren. Alles schien auf Schiene, da begann die Bürgerplattform gegenzusteuern. Mithilfe einer massiven Kampagne der Kronen Zeitung wurde die Stadtregierung derart unter Druck gesetzt, dass Bürgermeister Michael Häupl die Notbremse zog und die Bebauung vorerst stoppen ließ.

Das Problem löste er damit nicht. Die Gesiba will weiterhin bauen, pocht auf den Gemeinderatsbeschluss und appelliert an den Rechtsstaat. Die Plattform setzt weiterhin alles daran, Steinhof so zu belassen, wie es ist - im Sinne des kulturellen Erbes.

Vergangene Woche begann eine Mediation zwischen den Streitparteien, die die verhärteten Fronten nun aufweichen soll. "Unsere Motivation, an der Mediation teilzunehmen, war nicht, dass nichts gebaut werden darf“, sagt Ewald Kirschner, Generaldirektor der Gesiba. Aber er sei zu Verhandlungen bereit; Ziel sei, einen vernünftigen Konsens zu finden.

Die Baugegner sind hingegen völlig kompromisslos, weil jeder Neubau das schützenswerte Ensemble zerstören würde, sagt Christine Muchsel von der Bürgerplattform.

In der ersten Runde der Mediation ging es vorerst noch versöhnlich zu: Es wurden lediglich Nutzungsmöglichkeiten für das Otto-Wagner-Areal gesammelt - ohne Anspruch auf Konsens. Bis Ende August verlangt die Gesiba eine Entscheidung. Gibt es bis dahin kein Ergebnis, muss die Stadtregierung ein Machtwort sprechen.


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