Die Liquidierung des Regenbogens

Feuilleton | Geschichtsunterricht: Matthias Dusini | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

München und Kassel 1972: der Sommer, in dem die Olympiade und die Documenta zur Party wurden. Ein Rückblick auf die Geburt der Eventgesellschaft

Dieser Tage vor 40 Jahren fanden in Deutschland zwei Großveranstaltungen statt, die den Sport und die Kunst der kommenden Jahrzehnte prägen sollten. Am 26. August 1972 begannen in München die Olympischen Sommerspiele, bereits am 30. Juni hatte in Kassel die Ausstellung Documenta 5 eröffnet.

Beide Spektakel zusammen bildeten so etwas wie den Auftakt dessen, was man später Eventkultur nennen sollte. Die Übungen der Athleten hatten in verschwitzten Hallen, jene der Maler in Ateliers stattgefunden. Nun begannen sich die Enklaven der Selbstformung gegenüber dem Alltag zu öffnen. Der Imperativ der Turnschuhgesellschaft bekam normative Kraft: Sei fit und kreativ!

Städte verwandeln sich seit den 1970er-Jahren in Festivalorte, propagandistische Inszenierungen in Riesenpartys, auf denen gesichtslose Menschenmassen zu fröhlichen Individuen mutieren.


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