Beklemmende, unbequeme Lektüre: "Die Erdfresserin“ von Julya Rabinowich ist der Feel-bad-Roman des Jahres


Sebastian Fasthuber
Feuilleton | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

"Es gibt welche, die liegen bleiben. Ich gehöre zu denen, die aufstehen und weitergehen.“ Der neue Roman von Julya Rabinowich spricht mit der Stimme einer Kämpferin. Diana gehört zu den weitgehend unsichtbaren Osteuropäerinnen, die nach Westeuropa pendeln, wo sie für ein bisschen Geld alles tun, um ihre Familien zu versorgen - sich prostituieren, putzen, pflegen.

Sie sammeln die Reste vom Buffet einer Überflussgesellschaft ein: "Alle wollen wir nur einen Löffel vom Honig, ein Gläschen nur von der Milch, die in Europa fließt.“

Diana stammt aus einer Ecke Russlands, in der es keine Arbeit gibt, nur ein altes, freudloses Haus und eine problematische Familienkonstellation, die aus einer dominanten Mutter, einer jüngeren Schwester und Dianas beinahe schon erwachsenem Sohn besteht. Da dieser teure Medikamente benötigt, verbringt Diana mehr Zeit in Wien und anderen Städten, von wo aus sie Geld nach Hause schickt, als bei ihrer Familie.

Wer eine als Roman getarnte Sozialreportage erwartet,

  449 Wörter       2 Minuten
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