Hörbuch der Stunde

Ein Sog führt näher zum Kern des Dramas

Feuilleton | Anja Hirsch | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Der Anfang des Hörspiels "Austerlitz“ nach dem Roman von W.G. Sebald ist ungemein beklemmend. Man hört eine gespenstisch verzerrte Kinderstimme, die Nachnamen auflistet und dabei wie aus weiter Ferne langsam näher kommt, unterlegt vom manischen Ticken einer Uhr und einem immer greller werdenden, lange anhaltenden einzelnen Ton, dessen Fortissimo in das kalte, metallene Geräusch einer zuschlagenden Waggontür mündet. Darauf folgt ein Moment absoluter Stille.

Stefan Kanis ist mit der Verwandlung dieses formgewandten, 2001 erschienenen Romans durchaus ein Wagnis eingegangen, und er ist sich der Gratwanderung zwischen zu vielen und zu wenigen Effekten bewusst. So entsteht hier schon bald ein Sog um diesen von Ernst Jacobi mit erfahrener Stimme gesprochenen Mann namens Austerlitz. Erst als Erwachsener erfährt dieser, dass er als Kind mit einem der Sondertransporte während des Zweiten Weltkrieges von Prag nach Wales gelangt war, wo er bei einem wortkargen Pfarrerspaar aufwuchs.

Was der


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