Stadtrand Urbanismuskolumne

Ganz aus dem Mäuschen

Stadtleben | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Was man als Kundschaft nicht so gerne hört: wenn in der Parfümerie die männliche Fachkraft cremetigelschwenkend ein Pflegeprodukt mit den Worten anpreist: "Bei meiner Mutter wirkt es doch auch!“ Wenn beim Optiker die Optikerin mit Blick auf die Kundenkartei sagt: "Sie sind nur drei Jahre jünger als mein Vater, sehen aber viel besser aus.“ Wenn die Friseurin nach getaner Haarschneiderei ihr eigenes Werk lobt: "Sieht aus wie ein Topmodel - von hinten.“

Natürlich kann man das mit dem herben Wiener Charme erklären. Einfacher gestrickte Naturen vermögen vielleicht sogar ein Kompliment hinter derlei Aussagen zu entdecken. Aber wer will schon mit Müttern, Vätern oder Topmodellen verglichen werden! Apropos: Das Topmodell in Sachen Verkaufsgespräch erlebte der Autor dieser Zeilen kürzlich in Berlin in einem T-Shirt-Fachgeschäft. "Nee, nee, Mäuschen“, meinte da ein etwa 17-jähriges Herrchen hinter der Kasse, "das musste schon ’ne Nummer größer nehmen.“ Mäuschen - so nennt in Wien niemand die betagte Kundschaft. Noch nicht.


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