Selbstversuch

Kommen wir jetzt alle ins Gefängnis?

Kolumnen | Doris Knecht   | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Das Gespräch über das Kiffen bei uns am Tisch haben wir mit den Mimis jetzt geführt. Vorgestern, beim Abendessen. Es war ganz ähnlich wie ein Gespräch, das ich mit meiner Mutter übers Haschischrauchen führen würde.

Erste Reaktion: Was, Drooogen?!? Da kommen wir doch alle ins Gefängnis!!

Nein, hör zu, wir erklären euch das jetzt.

Wir erklärten das, dass es solche und solche Drogen gibt, und so weiter, was das alles ist, wie das alles heißt, ganz aufgeklärte, aufklärende Realfamilie. Trotzdem: Eins der Mimis blieb erst einmal skeptischer, als wir geplant hatten. Es vertrat die Meinung, dass in unserem Haus nichts gemacht werden dürfe, mit dem nicht alle einverstanden sind, mit dem perfiden Hintergedanken, der Sache alsogleich auch einen rigiden Nikotinbann in einem 100-Meter-Radius um das Haus herum abzuwürgen. Es ließ von dem Gedanken allerdings schlagartig ab, als der Lange und ich unsere schweren Bedenken gegen täglichen Nutellakonsum und überhaupt die Folgen von Süßzeug für die Gesundheit äußerten. Und wegen Supermario … … hmmm. So richtig super finden wir den ja auch nicht.

Na ja, o.k. Wir werden aber trotzdem nie Drogen nehmen, weil wozu? Das ist doch Scheiße, wenn man so dulli wird.

Kind, das ist eine schöne Einstellung, an der wir grundsätzlich nichts auszusetzen haben.

Ich werde auch ganz bestimmt nie rauchen.

Gut.

Papa, wann hörst du damit auf?

Dann. Siehe Supermario.

Und ich werde niiiiiie Alkohol trinken. Ich habe kürzlich zufällig ein Proseccoglas erwischt, das schmeckt ja furchtbar.

Ja, perfekt, mach das, guter Plan. Und falls ihr es doch einmal tut, haben wir nichts dagegen, wenn ihr mit uns darüber sprecht.

Wird nicht nötig sein, weil wir so einen Dreck sicher nicht anfangen.

Wunderbar.

Hat doch erst einmal ganz gut funktioniert, ähmja. Wobei die Ursprungsidee, dass man Kindern immer die Wahrheit sagen und ihre Fragen stets aufrichtig beantworten sollte, sehr schnell wieder verworfen wurde: Alles brauchen sie jetzt noch nicht zu wissen. Lieber nicht …

Einiges von dem, was man selbst so gemacht hat, wird man wohl doch erstmal vergessen haben. Soll ja vorkommen. Ich vergesse ja sogar, was ich gestern gemacht habe oder zu Weihnachten. Lotte zum Beispiel hat mich vorgestern daran erinnert, dass meine Behauptung von letzter Woche, ich kiffte nie, nicht hundertprozentig haltbar sei.

Was, wieso?

Hast du nicht bei dieser Adventfeier, um halb zwei in der Früh, lustig an einem Joint gezogen?

Mein Gott, ja, das stimmt. Hatte ich ganz vergessen. Wird in nächster Zeit wohl öfter vorkommen. Tja.


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