Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Mami-Porn

Kolumnen | Heidi List  | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Die Buchhändlerin aus Wien-Währing, nennen wir sie Frau H., muss mich hassen. Sie hat mich gezwungen, über "Shades of Grey“ zu reflektieren, immerhin wäre ich ja die Sextante vom Falter, es wäre daher meine verdammte Pflicht, zu diesem Roman meinen Senf abzugeben. Und dann habe ich ihn quergelesen, diesen Sadomaso-Millionenseller, über den sich jetzt alle so aufregen oder aber drüber einschlafen. Die vorrangigste Regung bei der Lektüre war blanker Neid auf die Schreiberin, wie gerne würde ich jetzt statt ihr in deren Geldspeicher schwimmen.

Ach, hätte ich nur die Idee gehabt, dass jemand emotionale Lähmungen erfährt, wenn er des anderen Deo riecht. Beziehungsweise das Sitzfleisch, diesen Quargel auf 600 Seiten auszuformulieren. Mami-Porn steht irgendwo als Begründung, warum das Ding so abgeht. Da freuen sich ein paar, okay, ein paar Millionen, dass sich da wer, einfach formuliert, in einer Geschichte so was wie FICKEN schreiben traut. Trau ich mich auch. Aber weit und breit keine Millionen. Nur seit Jahren das erfreute Gelächter des Falter-Herausgebers, wenn er mein Honorar dafür freigibt.


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