Kunst  Kritik

150 Jahre Klimt: Totenkult zum Geburtstag

Lexikon | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Pünktlich zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt am 14. Juli eröffnete das Belvedere seine "Jubiläumsausstellung“. Sie umfasst 120 Werke, darunter 30 Klimt-Gemälde und Arbeiten von Künstlerkollegen wie Egon Schiele, Ernst Klimt und Oskar Kokoschka, und ist in mehrere Themen gegliedert. Die Ausstellung beginnt mit Klimts historistischem Frühwerk in der Künstlercompagnie, geht weiter zur Umbruchszeit in den Jahren der Secession und endet mit den Jahren von "Weltkrieg und Tod“, wo Klimt expressionistische Werke etwa von Herbert Boeckl zur Seite gestellt werden.

Neben Klimt-Ikonen wie dem "Kuss“ sind erstmals Schenkungen an das Museum zu sehen, etwa ein Sonnenblumenbild. Erstmals in einer Ausstellung hängt das bisher nur von einer Schwarzweißreproduktion her bekannte Bildnis eines bärtigen Mannes aus einer privaten Sammlung; es ist freilich von zweitrangiger Qualität. Zu den Klimt-Devotionalien der Ausstellung zählen bislang unbekannte Liebesbriefe, die Klimt zwischen 1895 und 1899 an die Modeschöpferin Emilie Flöge adressierte. Zu sehen ist hier auch ein Reisekoffer Flöges, was auch immer dessen Aussagewert sein mag. Nach mehreren kulturhistorisch fundierten Projekten zur Wiener Moderne kehrt das Belvedere mit dieser Schau zum konservativen Geniekult zurück. Das von feministischen Kunsthistorikerinnen kritisierte sexistische Frauenbild Klimts bleibt unhinterfragt. Das Thema Restitution prägte das Klimt-Bild der vergangenen Jahre; das Belvedere musste Hauptwerke an die rechtmäßigen Erben zurückgeben. Diesen Aspekt klammert die Jubiläumsschau aus und dreht auch in puncto Ausstellungsdesign das Rad der Zeit zurück: Große Wandtexte und die Hintergrundfarben Schwarz und Weiß erinnern an faschistische Heldengedenkstätten der Zwischenkriegszeit. MD

Belvedere, bis 6.1. 2013


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