Kritik

Geschüttelte Schädel im Museum der Zukunft

Lexikon | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

Das Ausstellungsplakat zeigt einen modisch gekleideten jungen Mann mit Vollbart und Krawatte. Seine Augen sind geschlossen, vorsichtig setzt er seine Hornbrille auf den Nasenrücken. Das nachdenkliche Innehalten dieses Augenblicks gibt der Ausstellung des steirischen Künstlers Daniel Hafner (33) ein Motto: "Bedenken von schlicht Erlebtem“. Es handelt sich dabei nicht um eine Fotoausstellung, sondern um eine Medienkunstpräsentation, die freilich das diesem Genre anhaftende Apparathafte zugunsten subtiler Wahrnehmungen zurückdrängt. So sind die Lautsprecher der Installation "Road“ (2010) hinter Vorhängen verborgen. Der Besucher hört den natürlichen Straßenlärm und erschrickt, wenn plötzlich das (künstlich erzeugte) Geräusch eines vorüberfahrenden Lkws ertönt.

Es ist so laut, dass es den Angstreflex eines Fußgängers auslöst, der ein Fahrzeug übersehen hat. Die Koppelung zwischen Maschine und menschlicher Wahrnehmung stellt der Künstler auch in Form von Zeichnungen dar; er überträgt vom Computer generierte Striche auf Papier. Ein Kennzeichen von Hafners Kunst ist die sorgfältige Ausführung auch bei jenen Werken, die den Konventionen der Medienkunst entsprechen. Der Betrachter legt in "Optoschüttler“ (2006) das Kinn auf eine Gabel und betrachtet Fotos auf einem Monitor.

Ein Vibrator beginnt den Schädel zu schütteln, sodass das Bild in Bewegung gerät, eine filmische Qualität bekommt. Sowohl der Bürostuhl, auf dem der Betrachter sitzt, als auch der Projektionsapparat scheinen dem Fundus eines Technikmuseums zu entstammen, was als ironischer Verweis auf die Historizität des Genres Medienkunst gedeutet werden kann. In den 70er-Jahren symbolisierten die Monitore und Knöpfe modische Gegenwart. So wie die Hornbrille und der Bart des Künstlers auf dem Plakat. MD

Kiesler Stiftung, bis 10.9.


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