Neu im Kino

Star-Tod als Provinzfarce: "Who Killed Marilyn?“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

Was für die USA "Twin Peaks“ und für Österreich "Braunschlag“, das ist im Frankreich von Filmemacher Gérald Hustache-Mathieu offenkundig das (real existierende) Dorf Mouthe nahe der Schweizer Grenze: ein Provinz-Mikrokosmos, dessen schrullige Figuren alle um eine unwirkliche Frauenerscheinung kreisen. Just als es den Inspiration suchenden Krimiautor David Rousseau (Jean-Paul Rouve) nach Mouthe verschlägt, wird die Leiche der begehrten Lokalschönheit Candice Lecœur (Sophie Quinton) im Schnee gefunden.

Die Tote, der Rousseau hinterherrecherchiert, ähnelt Marilyn Monroe bis in die wasserstoffblonden Haarspitzen, mehr noch: Sogar die romantischen Verwicklungen, die ihrem vermeintlichen Selbstmord vorangingen, zeigen verblüffende Parallelen mit der Vita des Stars. Zufall? Schicksal? Wiedergeburt? Eher ein Fall von gut abgehangener postmoderner Ironie. Wobei "Who Killed Marilyn?“ diese Prämisse so geradlinig durchspielt, als wollte der Film über ihre Absurdität lieber gar nicht zu viel nachdenken. Nicht dass Hustache-Mathieu sonst an Deutlichkeit vermissen ließe: Um einen Kontrast zwischen dem französischen Niemandsland und den überdimensioniert amerikanischen Sehnsüchten seiner Figuren auszudrücken, lässt er - zweimal! - "California Dreamin’“ über die Schneelandschaften laufen. Schön unterdeterminiert bleibt einzig die nachgerade zärtliche Freundschaft des Schriftstellers zu einem ambitionierten Dorfpolizisten.

Mit dem Monroe-Mythos hat dieser beschauliche Krimi dagegen nicht mehr im Sinn als zuletzt der Schlüssellochfilm "My Week With Marilyn“. Den Frust, dass sich unter jeder ikonischen Pose nur eine weitere findet, kompensiert man auch hier mit altherrenerotischen Ausziehspielchen: Marilyn nackt, endlich.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Top)


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