Neu im Kino

Tier mit Symbolkraft: "Das Schwein von Gaza“

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

Ich habe ein Schwein gefischt, möchten Sie es kaufen?“ Nicht nur die Frage mutet seltsam an, auch der Mann, der sie stellt, wirkt nicht ganz vertrauenswürdig. Dabei hat es sich tatsächlich so zugetragen: Nach einem Unwetter fand der vom Pech nicht gerade gemiedene Jafaar ein Schwein in seinem Netz. Dieses würde der abgebrannte Fischer gern zu Geld machen, das Problem ist allerdings, dass man mit einem Schwein in Gaza nicht besonders viel anfangen kann - außer, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Palästinensern wie Juden gelten Schweine als unreine Tiere, mit denen der Mensch keinen Kontakt haben darf.

Soweit der inhaltliche Aufriss einer wunderbaren kleinen Komödie, die sich eines großen Konfliktes annimmt: Anhand eines Tieres mit Symbolkraft wird in Sylvain Estibals Regiedebüt "Das Schwein von Gaza“ das Verhältnis von Palästinensern und Juden durchleuchtet. Wie so oft sind Übertreibung und Verknappung die geeigneten Mittel für kluge und originelle Komik: Der Konflikt wird auf eine kleine Welt mit wenigen, überzeichneten Charakteren heruntergebrochen. Besonders die Hauptfigur Jafaar (Sasson Gabai) erinnert dabei im besten Sinne an Figuren aus Woody Allens Filmen: Schusselig, aber schlagfertig, gerät der Fischer in skurrile Situationen, deren absurdem Verlauf er sich mit bemerkenswerter und hochsympathischer Selbstverständlichkeit ergibt.

Auf dieser Ebene lässt es sich leicht lachen, während "Das Schwein von Gaza“ gleichzeitig wie auf Schleichwegen das Herz der Zuseher erobert und berührt, sobald die Realität näherrückt. So trifft der Film sein politisch und sozial gewichtiges Thema im Kern, während er mit seinem schönen Ende gleichzeitig eine Fabel mit eindeutiger Botschaft darstellt. Eine Empfehlung.

Ab Fr in den Kinos (OmU im De France)


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