Enthusiasmuskolumne  

Wie uns Herr Karl ins Schwitzen bringt

Diesmal: der beste Saunabauer der Welt der Woche

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

Von der Irritation namens Hundstage soll man sich nicht in die Irre führen lassen: Hitze oder überhaupt nur angenehme Wärme auf der Haut ist in unseren Breiten ein absoluter Ausnahmezustand. Nie, niemals über hohe Temperaturen jammern! Jeder sonnenbedingte Schweißtropfen, jeder Sonnenbrand will ausgekostet werden. Heißt es für gewöhnlich doch: Heizung aufdrehen, mehrere Schichten Oberbekleidung und trotzdem Schnupfennase.

Und so braucht denn auch, wer hierzulande ein Haus bewohnt, kein Schwimmbad, sondern einen Kachelofen. Dann erst kommt - nein, nicht der Pool, sondern die Sauna an die Reihe. An diesem Punkt kommt Herr Karl ins Spiel.

Er soll uns die Hitze bringen. Herr Karl ist Saunabauer von Beruf, und das seit 38 Jahren (okay, Schwimmbäder macht er auch, aber bestimmt nicht mit derselben Leidenschaft). Eines Tages stand er bei uns im Keller, um zu sehen, was sich da machen lässt. Er kritzelte mit flinker Hand ein paar Skizzen auf ein Stück Schmierpapier, referierte über unterschiedliche Holzarten und erklärte, dass er nur nach Maß fertige.

Auf die Frage, welche Öfen es denn gebe, verdunkelte sich die Miene des Herrn Karl allerdings kurz. Ob wir schon von Bioöfen gehört haben? Nein? "Heut wollen s’ die Leit Bioöfen verkaufen. Bio, wann i des scho hear! A Saunaofen kann doch gar net bio sein!“

Wir haben uns dann noch sehr gut verstanden. Und obwohl sich auch ein anderer Saunabauer ankündigte, hat Herr Karl im Prinzip längst den Zuschlag. Wir würden demnächst gern in seinen Schauraum kommen, haben wir ihm noch gesagt. Er kritzelte seine Telefonnummer hin, keine Handynummer; Herr Karl hat nur Festnetz. Der Mann ist einfach heiß.


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