Death to the 90s: Pop von gestern, mehr oder weniger kompetent neuinterpretiert


Musikkritik: Gerhard Stöger

Feuilleton | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

T heoretisch ist eine gute Coverversion kein großes Kunststück. Es braucht nur entweder eine originelle Wahl oder eine ungewöhnliche Interpretation. Oder beides. Weniger gut ist es, Unaufregendes möglichst originalgetreu nachzustellen. Und ein großes Werk zu verhunzen, das sollte man ebenfalls bleiben lassen.

Eine Meisterin im Fach der überzeugenden Coverversion ist die Wiener Musikerin Soap&Skin. Wie sie den französischen 80er-Hit "Voyage, Voyage“ in ihren eigenen Kosmos übersetzt, lässt sich auf dem aktuellen Album "Narrow“ nachhören. Fast noch eindrucksvoller, weil noch überraschender ist es, wenn sie "She’s Crazy“ covert.

Das Original stammt aus den 1990er-Jahren und ist eigentlich im Giftschrank versperrt, stammt es doch von der Kelly Family, einer der nervigsten Bands der Popgeschichte. Doch Soap&Skin verwandelt das Lied in eine berückende Klavierballade und offenbart so jene Schönheit, die auch dem Original, verborgen, innewohnt.

"She’s Crazy“ wäre wohl das

  314 Wörter       2 Minuten
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