Ein Punk blickt zurück: gescheit, reflektiert und immer noch wütend

Feuilleton | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

 Rainer Krispel hat es also auch getan. Mit "Der Sommer als Joe Strummer kam“ reiht er sich ein in die inzwischen wild wuchernde Punk-Erinnerungsliteratur. Dass sein Roman ein wenig anders ist als das typische "Ich war dabei“-Buch eines Überlebenden - und sich entsprechend auch nicht nur an eine Leserschaft wendet, die ebenfalls dabei war -, liegt an der schlauen Erzählhaltung. Krispel schiebt einen gewissen Gustav vor - zeitweise trat er selbst unter dem Pseudonym Gustav Grant in Erscheinung - und lässt ihn ganz ähnliche Erfahrungen haben, wie er sie in den 1980er- und 1990er-Jahren auf Konzerten, in Proberäumen oder an Grenzübergängen machte.

Durch diese kleine Distanz kann er Gustav-Rainers Erlebnisse besser reflektieren. Gleichzeitig gelingt es ihm über weite Strecken, einen erfrischend jugendlichen Ton zu treffen.

Manchmal liest sich "Der Sommer …“, als würde ein 20-Jähriger aus seinem wilden Leben erzählen. Dann wieder spricht Krispel, der Fortysomething, der gescheiter ist als Gustav, aber nicht abgeklärt, sondern immer noch ganz schön wütend ist über die Zustände im "Land mit dem A“, wie es bei ihm heißt. Manchmal passiert der Perspektivwechsel gar sprunghaft, aber auch das trägt letztendlich nur zum Charme dieses Debüts bei.

Rainer Krispel: Der Sommer als Joe Strummer kam. Edition Kürbis, 176 S., € 18,90


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