Ohren auf  

Aus den deutschen Elektronik-Archiven

Sammelkritik: ausgewählte Reissues im Zeichen der Kraut-Elektronik

Gerhard Stöger | Feuilleton | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

Der in Baden bei Wien lebende deutsche Komponist und Klangmaler Hans Joachim Roedelius veranstaltet von 2. bis 4. August bereits zum neunten Mal das Festival "More Ohr Less“, eine Mischung aus Konzertreigen und Symposium, im malerischen Lunz am See.

Seit einigen Jahren arbeitet das deutsche Label Bureau B Roedelius’ ausuferndes Werk durch Vinyl- und CD-Reissues auf. Jetzt ist man bei den legendären Alben von Kluster gelandet, "Klopfzeichen“ (1970) und "Zwei Osterei“ (1971), die einst in einer einzigen eintägigen Aufnahmesession entstanden sind. Gemeinsam mit Dieter Moebius und dem 2011 verstorbenen Conrad Schnitzler produzierte Roedelius Freigeistiges im Zeichen elektronischer - oder genauer gesagt: präelektronischer - Klangavantgarde. Klusters apokalyptische Stimmung nahm die spätere Industrial-Musik um Jahre vorweg und sollte ein wichtiger Einfluss für David Bowies "Berlin“-Phase werden. Beide Alben enthalten zwei jeweils gut 20-minütige improvisierte Brocken, teils versehen

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