Stadtrand 

Was du nicht willst, dass man dir tu …

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

Es gibt diesen Typus Mensch, der sich dazu berufen fühlt, seine Mitmenschen zu kontrollieren, sie zu richten, wenn er kann, sie zu strafen, und falls nicht, sie zumindest zu vernadern. Mag sein, dass in jedem Menschen ein Funke pseudo-moralischer Schwarzkappler schlummert. In Wien aber ist die Konzentration der Funken enorm: ein Glutteppich. Flächenbrand. Diese Behauptung scheint eine - wenn schon keine wissenschaftlich fundierte - unleugbare Tatsache. Besonders, wenn man, gerade frisch vom Urlaub zurück, mit der U-Bahn fährt.

So geschehen: Einer jener Mitarbeiter der Wiener Linien, die mit Mistsäcken von Waggon zu Waggon gehen, um anderer Leute liegengelassene Gratiszeitungen und sonstigen Dreck wegzuräumen, quält sich durch die Reihen, da klopft in der Station eine Pensionistin von außen ans Fenster: "Da machen welche Musik. Nehmen S’ as fest“, schreit sie. Der Mann, kein Moral-Schwarzkappler, quittiert mit einem Schulterzucken. Am Bahnsteig bleiben die illegalen, zu verhaftenden Musikanten zurück: ein Mädchen und ein Bub, nicht älter als 12 oder 13 Jahre.


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