Der Gürtelbär, der ist nicht mehr

Stadtleben | Nachfrage: Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

Elffünfzig hatte ein Maskottchen: Ein Wiener Plüschbär wurde kurz zum Medienhype

Am Sechshauser Gürtel steppte der Bär: Internationale Medien berichteten über den Wiener Riesenteddy, der dort bis vor kurzem hinter einem geöffneten Fenster im Mezzanin stand und den Verkehr betrachtete - täglich neu geschmückt mit Hütchen oder Nutellaglas. Fast ein Sommerhype, wie letztes Jahr das Ding mit den Post-it-Bildern. Ausgelöst hat ihn Martin Schneidewind, ein Sänger.

Falter: Wie haben Sie den Bären bemerkt, Herr Schneidewind?

Martin Schneidewind: Ich arbeite schräg gegenüber von der WG, in der der Gürtelbär steht. Anfang Juli hat ihn meine Lebensgefährtin entdeckt. Wir haben ihn charmant gefunden und beschlossen, eine Facebookseite zu machen.

Wie kam’s zum Medienhype?

Schneidewind: Wir hatten Mitte Juli 150 Likes auf der Seite. Ich war gerade in der Arbeit, da habe ich gesehen, dass im Sekundentakt die Likes in 20er-Schritten raufgehen, denn das SZ-Magazin hat auf unsere Seite verlinkt. Das hat dann zu einem Schneeballeffekt geführt. Es war dann interessant zu sehen, welches Medium von welchem kopiert und welche Informationen verfälscht und so gedreht werden, dass sie zu dem jeweiligen Medium passen.

Sie haben dem Bären ein Lied geschrieben. Nützt der Hype?

Schneidewind: Rund 6000 haben sich das Lied auf der Musikseite Soundcloud angehört, aber ich habe bemerkt, dass der Hype sich nicht auf andere Facebookseiten übertragen lässt. Meine Bandseite auf Facebook hat 80 Likes bekommen. Sie hat sich dadurch zwar verdoppelt, aber im Vergleich zu den Likes für den Bären steht das in keinem Verhältnis.

Wie geht es jetzt weiter?

Schneidewind: Die WG hat den Bären auf Urlaub geschickt und will dann entscheiden, wie sie den Hype nützt. Ich finde das schade, weil viele Touristen gekommen sind und mich jetzt fragen, wo der Bär ist. Ich habe einen positiven Input bekommen, mehr Arbeit in mein Soloprojekt zu investieren. Jetzt will ich noch ein Video produzieren. Bevor der Hype abflaut.


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