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Lasst sie ziehen!

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

Der Zeitung Österreich war es einen eigenen Artikel wert: Landesrat Gerhard Kurzmann (FPÖ) macht Urlaub. Nicht am Mondsee, auch nicht im Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen, sondern in Skandinavien. Und zwar vom 15. Juli bis 7. August. Wahnsinn, oder? "Kurz und in der Heimat: An dieses Rezept halten sich viele Politiker in Sachen Urlaub“, so Österreich. Nicht so Kurzmann, der gönnt sich einen "XXL-Urlaub“.

Jetzt könnte man geteilter Meinung sein, ob sich der Herr Verkehrs- und Umweltlandesrat überhaupt einen Urlaub verdient hat. In Graz staubt’s an allen Ecken und Enden recht fein. Aber was soll’s, regenerieren muss er sich, sonst geht im Herbst erst recht nichts weiter. Aber ist es ehrenrührig, wenn er das im Ausland tut? Keineswegs! Urlaub in der Heimat - da freut sich zwar die Wirtschaft. Und der Politiker zeigt Verbundenheit mit Volk und Scholle. Nur muss es ihm die Schamesröte ins Gesicht treiben, wenn er in Frankreich urlaubt? Er selbst bei der "Oberen Adria“ rumdruckst?

Den Volksvertretern sei gegönnt, dass sie einmal im Jahr auf den Balearen die Zecherln ins Wasser halten. Wenn der Wunsch nach Abstand groß ist, dann darf es auch Spitzbergen sein. Manch einem Hitzkopf täte das eh gut. Gerade Politiker wollen den Fraktionszwang in der Begegnung mit fremden Kulturen vergessen. Oder das Gespräch mit Menschen pflegen, die nie vor einer heimischen Wahlurne stehen. Und im Herbst wollen wir hören, was Tokio, Mumbai oder São Paulo bewegt. "Reisen veredelt den Geist und räumt mit allen unseren Vorurteilen auf“, hat Oscar Wilde geschrieben. Eingedenk dessen können die Herrschaften von der FPÖ ihre Koffer nicht oft genug packen.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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