Menschen

MDNA im FLTR!?

Falters Zoo | Ingrid Brodnig, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 31/12 vom 01.08.2012

Passiert ja nicht so oft, dass ein richtiger Weltstar in Wien absteigt. Madonna machte mit ihrem aktuellen Musikzirkus "MDNA“ in unserem schönen Städtchen Station und gab ein in vielerlei Hinsicht erstaunliches Konzert im Ernst-Happel-Stadion. Okay, das Spektakel fing eine Stunde später an als geplant. Ja, Frau Ciccone wird bald 54 und bezeichnet sich in neuesten Liedern trotzdem als girl. Wer aber gedacht hat, dass "Like a Virgin“ immer noch so klingt wie in den 1980er-Jahren, wurde überrascht. Auch von der Aggressivität der Show, die zumindest in den ersten 40 (von 120) Minuten aussah wie ein Tarantino-Film. Bang Bang! Die Frau hat zwar eine Stimme wie eine Autohupe, aber sie hat es immer noch drauf - das Entertainment nämlich. Düster, verstörend, Bang! Auch schön, dass auf diese Weise 30.000 Zuschauer im Stadion, die sonst vielleicht nicht ins Museum gehen, mit Medienkunst in Berührung kamen. Schön auch der Seitenhieb auf Lady Gaga, als bei "Express Yourself“ plötzlich deren "Born This Way“ genauso klang. Okay, die staatstragende Ansprache im Obama-Stil, bei der es darum ging, sich den Spaß nicht nehmen zu lassen, hätte sich unser Funkenmadonnchen sparen können. Und auch das doofe "Like a Prayer“ am Schluss der Show. Andererseits kam da erst Stimmung auf. Vorher haben womöglich viele gedacht, sie sitzen im falschen Stadion.

Welche Museen, Makrobiotikboutiquen oder Moscheen Madonna, die mit Kerl, Kindern und Kegel noch ein paar Tage in Wien verbracht hat, besuchte, ist übrigens nicht überliefert. Vielleicht war sie in Francesca von Habsburgs bescheidener Augartenhütte? Hätte der Popstar schon vor seinem Konzert in Wien geweilt, wäre der Karlsplatz eine Empfehlung gewesen. Nicht nur, weil das Hotel Imperial gleich in der Nähe ist, sondern wegen des Popfestes. Oder hat sich Madonna Samstagabend wirklich über den Lärm von dort beschwert?

Apropos Popschfest, äh, Popfest. Gefühlt waren wieder eine Million Menschen am Karlsplatz, um hunderttausend heimischen Bands zuzuhören, die FM4-Journalist und Falter-Autor Robert Rotifer zusammengetrommelt hat. Wir finden das ja toll, wenn sich Wien als Musikstadt präsentiert - wobei man ehrlich sagen muss, dass viele der Acts aus den Bundesländern kommen. Markus Binder und Hans-Peter Falkner von Attwenger? Freilich Oberösterreicher. Rainer Binder-Krieglstein und Sängerin Makki von Binder & Krieglstein? Steirer! Aber vermutlich ziemlich homegrown in der queeren Wiener Community sind Pop:sch, die im Ost-Klub auftraten. Sängerin Fräulein Potmesil konnte sich freilich den Schmäh mit der Namensgleichheit nicht verkneifen und sagte: "Herzlich Willkommen beim Popschfest. Endlich sind auch wir eingeladen!“ Witzlos hingegen war, dass der Ost-Klub die Musik nur auf Wohnzimmerlautstärke aufdrehte. Frechheit, wir wollen Pöpsche nicht nur sehen, sondern auch hören!

Außerdem wird viel zu wenig über Tape-Graffiti berichtet. Vor dem Bank Austria Kunstforum auf der Freyung macht der Künstler Nick Prokesch ("nic.“) mit Klebeband den Baustellenzaun zum Gesamtkunstwerk - und Passanten dürfen mitmachen. Das nämlich, liebe Stadtverwaltung, ist der "Sinn des Klebens“. Doch nicht irgend so ein Parkpickerl.


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