Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Die ultimative narzisstische Kränkung von Workaholics besteht in der bitteren Einsicht, dass das Werkl ohne sie genauso läuft. Menschen, die anfällig sind für solche Ängste, bringen ihren Urlaub damit zu, die am Arbeitsplatz Hinterbliebenen zuzumailen, -smsen und -tweeten, um nach ihrer Rückkehr behaupten zu können, das Unternehmen just dadurch noch einmal vor dem Konkurs gerettet zu haben.

Weil ich nicht als "so einer“ gelten möchte, habe ich mir ein Kollegenbehelligungsverbot auferlegt. Umso beruhigender ist es, wenn die eigene Absenz dann doch aufgefallen ist. "Du warst auf Urlaub, gell?“, werde ich gefragt, und Systemadmin-Admiral Vaclav Habich wendet sich ansatzlos mit einem Anliegen an mich: 8.30 Uhr und nur ein einziger Kaffeelöffel im Geschirrfach!

Ja, dank der Lektüre dieser Rubrik weiß ich, dass die Krise den Falter voll erfasst hat. Die Kaffeelöffelknappheit und die Reterritorialisierung der Redaktion (Exilkärntner versus Prölletarier) ist mir nicht entgangen. Seltsam, vor meinem Urlaub lebten wir doch in Eintracht zusammen, und es gab Kaffeelöffel für alle. Man muss schon sehr gefestigt sein, um sich angesichts solcher Koinzidenzen nicht seriöse Chancen auf den nächsten Friedensnobelpreis auszurechnen. Als mir dann noch Nina Horaczek Fotos von schwertfischförmigen Cirrus-Wölkchen auf ihrem Smartphone zeigt, kann ich mich der Einsicht nicht länger verschließen: Der innere Frieden der Redaktion hängt von mir ab. Ich bin "Balance-Man“, ein Superheld des Äquilibriums und darf nie wieder auf Urlaub gehen.


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