Meinesgleichen

Ein Lieblingsgegner macht Pause

Falter & Meinung | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Einstweilen hat man sich an die dürren Kommuniqués und die Statements der neuen handelnden Personen zu halten (Seite 19). Und an das Abschiedswort des Chefredakteurs an seine Leserschaft, verfasst in ungewohnter Demut. Michael Fleischhacker ist nicht mehr Chefredakteur der Presse, und mir kommt damit der publizistische Lieblingsgegner abhanden. Einmal fanden wir uns in einer Aktion zusammen, jener paradoxen Intervention zur Rettung des ORF, die am Ende nur den Kopf von Alexander Wrabetz rettete. Ziemlich oft blickten wir beide uns leicht verwundert an, wenn Kollegen Chefredakteure gerade Wichtigeres zu tun hatten oder irgendwo ihr Rückgrat suchten.

So etwas konnte man Fleischhacker nicht vorwerfen. Im Gegenteil: Er war so meinungsstark, dass er sich manchmal vor Kraft nicht mehr bewegen konnte. Aber er hat immer Lust zu streiten, und er hat die stilistischen und intellektuellen Fähigkeiten dazu. In seinem Abschiedswort lässt er Zweifel anklingen, ob er den Geist des Blattes stets richtig interpretiert habe: "In unserem leidenschaftlichen Versuch, die bürgerlich-liberale Tradition dieser großen Zeitung zeitgenössisch zu interpretieren, haben wir gelegentlich zu sehr zugespitzt, manchmal sind wir in Sackgassen geraten, an manchen Tagen mag man den nötigen Ernst vermisst haben.“ Wenn schon. Unter Fleischhacker war die Presse jene Publikation, die mich in Österreich am ehesten interessierte, zur Auseinandersetzung reizte, mindestens ärgerte. Das war doch was!


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