Glosse 

Die Heuschrecke wechselt wieder einmal das Rollenfach

Politmetaphorik

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Im Unterschied zu seinem deklariert hispano- und önophilen Vorgänger hat der eisgraue Werner Faymann eine eher nordische Aura. Es verwundert also nicht, dass er sich vom Kurier willig die Schlagzeile "Süden kann uns runterreißen“ in den Mund legen ließ. Tat sich der politmetaphorische Gebrauch der Heuschrecke unlängst noch im Horrorgenre um ("Heuschreckenkapitalismus“), so ist das grassierende Hallodri-Bashing zur altbekannten Fabel zurückgekehrt: hier die nordische Ameise, die im Sommer für den Winter vorsorgt, da der spaßselige Heuhüpfer aus dem Süden, der immer nur fiedelt. Wie fragwürdig die Kulturalisierung kapitalistischer Krisen ist, kann man dem Ende der Fabel entnehmen: Da gibt die Ameise der Heuschrecke was ab, wenn die ihr eins aufspielt. Ob Flamenco- und Sirtaki-Export wirklich aus der Krise führt?


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