Wenn die Sessel Trauer tragen


Reportage: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Der kürzlich verstorbene Künstler Franz West wurde auf dem Zentralfriedhof in einem Ehrengrab beigesetzt. Es war eine kunstvolle Feier

Zentralfriedhof, Aufbahrungshalle 2. Punkt zwölf Uhr mittags beginnt in dem für bekannte Persönlichkeiten vorgesehenen Raum die Totenfeier für den Wiener Künstler Franz West. Die Familienangehörigen und Freunde haben sich versammelt, der Verstorbene selbst blickt von einem Foto herab auf die Gruppe.

Da sitzt West, der große Bildhauer, auf einem Stuhl in einer Türöffnung seines Ateliers. Die Tür ist halb geöffnet, der Raum dahinter schwarz. Wie beim Grabmahl Antonio Canovas in der Wiener Augustinerkirche, das eine in das Dunkel einer Grabkammer hineinschreitende Figur darstellt. Als würde der Tote einen letzten Blick zurück auf die Lebenden werfen, ehe er geht.

Ein Countertenor beginnt zu singen, gurgelt die wilden Laute einer Kunstsprache, verfällt in einen Klagegesang. Dann trägt der Philosoph Herbert Lachmayer satirische Arbeiterlieder von

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