Enthusiasmuskolumne  

Ein Bier mit dem Schläger in der Hand

Diesmal: die beste Sportart der Welt der Woche

Feuilleton | Hannah Schifko | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Es ist der kleine, urbanere und sympathischere Bruder des Tennis. Und der neue Lieblingssport der Wiener: das Tischtennis. Aufsteigerambitionen, Statusansprüche und Standelsdünkel verbergen sich keine dahinter, denn Pingpong ist der Sport des kleinen Mannes. Und der des großen Werner Schlager.

Das österreichische Tischtennisteam hat in London zwar nichts gerissen, die Wiener eifern ihnen aber trotzdem nach. Gelebter Patriotismus? Schon möglich, aber sicher nicht der einzige Grund, warum man in Wien wieder Pingpong spielt. Während der Tennisspieler biedermeierlich die Landluft sucht - in London Wimbledon, in Wien Döbling -, begibt sich der unkomplizierte, weil lässige Tischtennisspieler einfach ein paar Straßen weiter.

In die Transporter-Bar in Wien 5 etwa, wo man anstelle der urenglischen strawberries with clotted cream Wieselburger in Flaschen bestellt und dieses dann bei einer "Ringerlpartie“ wieder heruntertrainiert.

Tischtennisspielen hat sich von seinem einst verstaubten Vereinsparty-Image gelöst und ist heute städtischer Ausdruck gemeinschaftlicher Fettverbrennung. Seinen speziellen Charme hat der altehrwürdige Sport dabei auch im Sommer 2012 nicht verloren. Pingpong-Anhänger transpirieren keinesfalls in atmungsaktiver Sportbekleidung, sondern besinnen sich auf die Tischtennishochblüte der 1970er- und 1980er-Jahre.

Ganz traditionsbewusst tragen sie Hornbrille, enge Röhrenjeans oder schöne, wenn auch sportuntaugliche Alpaka-Pullunder mit Zopfmuster. So extravagant und stilsicher zugleich ist kaum eine andere Sportart der Welt. Sogar Kate Middleton hat es mittlerweile verstanden. Man sichtete sie erst kürzlich bei einer Runde Pingpong in der Olympia-Trainingshalle.


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