"Lady Vegas“ von Stephen Frears: Beth steigt groß ins Glücksspiel ein, Bruce Willis zeigt bestrumpftes Bein

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Las Vegas ist eine Fata Morgana von einer Stadt. "Hier zu sein“, schrieb der US-Kritiker David Thomson in einem Essay über New Hollywood, "bedeutet, das Elend der Menschen aus Iowa und Northridge kennenzulernen, die hergekommen sind, (…) um einen Blick auf den großen Gewinn zu erhaschen, der von einer einzigen Karte abhängt.“

Beth, eine Stripperin aus Tallahassee, kommt in der Hoffnung auf einen seriösen Job nach Vegas. Doch statt als Kellnerin findet sie ein Engagement in einem Wettbüro. Für dessen Besitzer, einen gewissen Dink Heimowitz, erweist sich Beth mit ihrem phänomenalen Zahlengedächtnis und ihrer unerschütterlichen Loyalität als ein wahrer Glückstreffer; und schiach ist sie auch nicht.

"Lady Vegas“ (Originaltitel: "Lay the Favorite“) basiert auf einer wahren Geschichte, die Beth Raymer zu einem Roman verarbeitet hat, den wiederum Stephen Frears (seit seinem Oscar für "The Queen“ auch in Hollywood wieder ein Begriff) als Komödie über das Glück im Zeitalter des Kapitalismus für die Leinwand adaptiert hat. Gewettet wird auf alles, was rennen, fahren, spielen kann. Dink führt sein Wettbüro als Familienbetrieb, trotzdem geht’s zu wie an der Wall Street kurz vor Börsenschluss. Dann kommt Tulip, seine Frau, von einer Kreuzfahrt zurück. Sie fängt grundlos Streit mit Beth an, worauf diese mit dem Journalisten Jeremy nach New York abhaut - um dort richtig groß ins verbotene Glücksspiel einzusteigen.

So wahr die Geschichte auch sein mag, wirklich überzeugend ist der Film dennoch nicht; dazu bleibt Frears’ um Tempo bemühte Inszenierung zu unverbindlich. Überraschend ist nur die Besetzung, angeführt von der jungen Rebecca Hall, die Beth mit Jeansshorts und einem verwegen-verlegenen Lächeln ausstattet. Bruce Willis als jüdischer Bookie zeigt Mut zur Peinlichkeit und Bein mit weißen Stutzen, seine nervige Gattin ist bei Catherine Zeta-Jones bestens aufgehoben.

Ab 10.8. in den Kinos (OmU im Votiv)


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