Stadtrand 

Ach, du unkaputtbares Wienerherz!

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Christopher Wurmdobler will aber nicht zurück nach Deutschland

Es gibt eine neue Beckenfeindin. Die unschöne Wasserbegegnung im Kongressbad vom letzten Jahr ("Sie spritzen mich nass!“) wurde kürzlich ebendort noch getoppt. Es regnete in Strömen, und im 50-Meter-Becken vergnügten sich auf vier Bahnen vier Menschen: zwei ältere Frauen, ein älterer Mann und der Autor hier. Dem rief eine der Frauen zu: "Schwimmen S’ woanders!“ Wieso? "Weil wir waren zuerst da!“ Aber es ist doch genug Platz für alle da, das ist ein öffentliches Bad. "Ja, aber Sie schlagen Wellen!“ Das ist ein Schwimmbad, es regnet, Sie werden nass werden! "Gehen Sie doch zurück nach Deutschland!“

He, toll! Nach 20 Jahren Wien endlich auch mal Alltagsrassismus und Piefkehass zu erleben. Wie jetzt reagieren? Der Autor entschied sich für die perfide Art. Statt mit Wörtern zu schießen, in denen "otze“ und "schloch“ vorkommen, band er die Mitleidsmasche: Es macht mich traurig, wenn ich sehe, wie verbittert Sie sind. Wie Sie nichts mehr im Leben freut, als zu keppeln und sich aufzuregen. Und so weiter. Sie so: "Dann sind S’ halt traurig.“ Ach, unkaputtbares Wienerherz!


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