Menschen

Total verklimt

Falters Zoo | Karin Wasner, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Wie viele Indie-Folklore-Singer/Songwriter verträgt die Welt? Sie kann offenbar gar nicht genug davon bekommen. Große Freude also auch in Wien, dass Justin Vernon alias Bon Iver letzte Woche seine wisconsinsche Schwitzhütte verlassen hat, um sich in der vollmondbestrahlten Open-Air-Arena dem Schmerz hinzugeben. "Sing your ass off“, lautete die Ansage des Künstlers, und er hat es natürlich auch vorgemacht. Gar nicht mehr so allein - weil unterstützt von acht Kollegen - funktionierte der sonst eher schlichte Sound des zweifachen Grammy-Gewinners überraschend super auch auf der großen Bühne. Die verbreitete, dank verdörrtem Grünzeug und massig LED-Lämpchen abgeranzte Strandatmosphäre in der lauen Erdberger Sommernacht und verpasste so der Originalversion von "Skinny Love“ erst die richtige Dosis Drama.

Vollkommen undramatisch verlief vergangene Woche dann noch der Besuch von Madonna plus Familie in unserer kleinen Stadt. Der Popstar erholte sich nach seinem Stadionkonzert noch ein paar Tage in Wien, bevor es nach Warschau weiterging. Und wir hätten uns wirklich ein aufregenderes Programm vorgestellt, als mit der gepanzerten Limousine ins Museumsquartier zu rauschen, um dann ausgerechnet ins Leopold-Museum zu gehen, Klimt kucken. Hey, Madonna-Mäuschen! Im Mumok gibt’s Fashion und Kunst. Auf der Donauinsel kann man nackig baden. Und auf dem Meidlinger Markt hat das Milchbart aufgemacht. Stattdessen: das fade Touri-Programm einer gelangweilten Mittfünfzigerin.

Fünfzehneinhalb Minuten. So lange dauerte es, bis der Achter des Wiener Ruderclubs Pirat auf 6 Kilometern Donaukanal von der Nussdorfer Schleuse zur Urania gerudert war. Nur knapp zweieinhalb Minuten länger brauchte der Kroate Marko Milodanovic für die Strecke beim neuen Wiener Wassersportfestival "Wienereiner“. Größtes Spektakel am Wochenende war die bunte Massenstartregatta der Kanuten. Auch hier gab’s ein Novum beim "Metropool“-Fest: Die ersten Flussmeisterschaften der Stand-up-Paddler, die gewann Roman Frühwald. Stehend.

Sommerfrische ganz nah bei Wien. Der geschätzte Kollege aus der Falter-Gastronomie-Etage war kürzlich schon in Kritzendorf und ganz aus dem Häuschen, wir haben uns ebenfalls ins Strombad begeben, wo bereits Florian Horwath & The Horwaths, Bo Candy & his Broken Hearts sowie Ernst Molden gemeinsam mit dem Nino aus Wien auf der Terrasse des Donaurestaurants von Silent Cook (sorry, das bleibt jetzt) Patrick Müller oder auf dem Strombadareal aufgetreten sind. Zum Finale am 18. August serviert man dort nun einen Balkan-Klezmer-Chanson-Mix, dargebracht durch Das Großmütterchen Hatz Salon Orkestar. Müssen wir wohl auch hin. Schön da!

Was war noch? Ach, genau: In den Gschwandner-Sälen in Hernals ist jetzt am Wochenende immer Heuriger. Also nicht nur ein paar Bänke, Wein und was zu futtern. Sondern Musik, Volxkino und Unterhaltung für die Kleinen. Und nicht nur deshalb lohnt sich eine Reise in den 17. Bezirk. Wer’s noch nicht (bei den Architekturtagen, bei Impulstanz oder bei anderer Gelegenheit) gesehen: Es lohnt sich auch wegen des Gebäudes. Und demnächst macht die Vienna Designweek dort Station. Man muss nicht unbedingt auf die Klimtkacke hauen wie Frau Madonna!

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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