Kunst  Kritik

Malerei mit einer Affinität zu Papier

Lexikon : Kunst | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Die New Yorker Kunst löste sich nach dem Zweiten Weltkrieg von europäischen Vorbildern, so etwa auch der Maler Morris Louis. Er wurde in den späten 1950er-Jahren mit abstrakten Bildern bekannt, deren Leinwände unbehandelt sind. Er ließ die dünnflüssige Farbe wie zufällig über das Bild rinnen, Figur und Grund - das Kennzeichen traditioneller Malerei - verflossen ineinander. Man nannte das eine "reine“ Malerei. Eines dieser Streifenbilder hängt am Eingang der Ausstellung "Albertina Contemporary“, mit der die grafische Sammlung ihre Sammlungspolitik vorstellt. An die Gründungsphase im 18. Jahrhundert anknüpfend, tätigte das Museum in den letzten Jahren Ankäufe "mit einer Affinität zur Arbeit auf Papier“. Die meisten der gezeigten Grafiken haben einen Bezug zur Malerei, manchmal - wie im Falle des Morris-Bildes - ist diese Intermedialität nicht ersichtlich, da die Zeichnungen für einen Vergleich fehlen. Außerdem handelt es sich nicht um ein Exponat der Albertina, sondern um eine Leihgabe des Wiener Sammlers Ernst Ploil.

Die Räume sind einzelnen Künstlern gewidmet, etwa dem deutschen Maler Gerhard Richter, der sowohl mit abstrakt-expressiven als auch mit figurativen, medienreflexiven Werken vorgestellt wird. Die deutsche Malerei ist mit Markus Lüpertz, Georg Baselitz und Sigmar Polke sehr präsent, eine überraschende kuratorische Entscheidung, denn die Erneuerung künstlerischer Ausdrucksformen auf Papier fand eher in anderen Ateliers statt. Man würde sie in den didaktischen Schautafeln eines Joseph Beuys oder den Projektzeichnungen eines Robert Smithson vermuten. Aus der Riege eher konservativer Genrebewahrer sticht die Malerin Maria Lassing hervor, deren unkonventionelle Gemälde und Zeichnungen erst in den letzten Jahren große internationale Anerkennung bekamen. MD

Albertina, bis 19.8.


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