Film  Neu im Kino

Französische Familien-Großpackung: "Le Skylab“

Lexikon : Film | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Am Anfang braucht es Orientierung, um sich als Zuseher zwischen den vielen Figuren zurechtzufinden: Drehbuchautorin und Regisseurin Julie Delpy hat eine riesige Familie, der sie ihre autobiografische Komödie "Familientreffen mit Hindernissen“ (Original: "Le Skylab“) gewidmet hat. Ausgehend von den Kindheitserinnerungen ihres filmischen Alter Egos Albertine in einer Rahmenhandlung spielt sich die Geschichte vorwiegend an einem einzigen Sommertag des Jahres 1979 ab, an dem die elfjährige Albertine mit ihren Eltern zum Geburtstag der Großmutter in die Bretagne reist. Im großen Haus mit Garten trifft sich die gesamte Familie zu einer ausgelassenen Feier.

Im Unterschied zu anderen Filmen über Familienbande und verwandtschaftliche Beziehungen - und diese sind zentral, nicht die späten 1970er-Jahre in Frankreich, wenn natürlich deren soziale und politische Themen die (Streit-)Gespräche dominieren - teilt Delpy nur marginal in Haupt- und Nebenfiguren ein. Mit der frühreifen Albertine steht ein Kind an der Schwelle zum Erwachsenwerden etwas mehr im Mittelpunkt, grundsätzlich gelingt es "Le Skylab“ aber in bemerkenswerter Weise, die ganze große Gruppe mit ihren unterschiedlichen Typen authentisch auf die Leinwand zu bringen. Die Vielfalt an lebensechten, zumeist banalen Gesprächen, alltäglichen Szenen und ernsten und komischen kleinen Handlungssträngen überfordert einen zunächst ein wenig, packt das Publikum, sobald es sich darauf eingelassen hat, aber auch bei den eigenen Erinnerungen an Kindheit und Familienzusammenkünfte.

So wird "Le Skylab“ zu einem bunten, quirligen Werk ohne Spannungsbogen, das dennoch (oder gerade deshalb) viele gedankliche und emotionale Anknüpfungspunkte und gute Unterhaltung bietet.

SABINA ZEITHAMMER

Ab Fr in den Kinos (OmU im Admiral und Cine)


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