Film  Noch im Kino

Der ewige Kampf um die Eichel: "Ice Age 4“

Lexikon : Film : Kino | aus FALTER 32/12 vom 08.08.2012

Abspannabwarterei wird gerne als affiger Sozialmanierismus gegeißelt, beschert einem bei "Ice Age 4 - Voll verschoben“ aber eine gefühlte Viertelstunde lang ein ganz eigenes Erlebnis: Nach dem Animationsarmageddon in 3-D, für das eine Crew in Kleinstadtstärke verantwortlich zeichnet, kann sich das Auge bei den schlichten Grafiken wieder erholen. Keine Messerspitze, die einem in die Pupille zu fahren droht; keine Eichel, mit der man wieder einmal in die allertiefste Spalte stürzt (no pun intended); bloß wunderhübsche ölkreidoide Krakeleien, die langsam über die Leinwand schweben.

"Ice Age 4“ macht weiter wie bisher und setzt noch eins drauf: Im ewigen Kampf um die Eichel verursacht Säbelzahnhörnchen Scrat diesmal den Kontinentaldrift (so auch der Originaltitel: "Continental Drift“), wobei das Auseinanderbrechen der tektonischen Platten von einer Entfremdung zwischen Mammut-Papa Manni und seinem heftig pubertierendem Töchterl Peaches begleitet wird.

Während der Rest der Tierwelt sich auf dem berstenden Land in Sicherheit zu bringen versucht, erleben Manni, Tiger Diego, Faultier Sid und dessen irre Omi ihre Odyssee (Sirenengesang inklusive). Die unvermeidliche Familienzusammenführung zu hintertreiben trachtet der böse Affenpirat Captain Gutt, der einen Hauch von "Fluch der Karibik“ in die (eisigen) Gewässer bringt.

Hundertschaften knuffiger Kleinnager hingegen sorgen für "Brave Heart“-Referenzen, worin sich ihre Funktion auch weitgehend erschöpft. Und hier liegt auch das Problem: Unter dem digitalen Dauerfeuer überwältigender Animationsleistung wird jeder Ansatz zu einer Geschichte abseits klischeestrotzender Konstellationen pulverisiert. KLAUS NÜCHTERN

Derzeit in den Kinos

(OF 3-D digital im Artis und Haydn)


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