Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Metal & Schtetl

Inhalt | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Ach, diese historischen Debatten! Heinz Fischer, damals Nationalratspräsident, und Peter Pilz, damals Nationalrat der Grünen, debattierten darüber, ob ein militärischer Einsatz auf dem Balkan gerechtfertigt wäre, um das Blutvergießen zu stoppen. Beide hatten gute Argumente.

Dagegen: Heinz Fischer. "Jene linken Sozialdemokraten, die 1914 gegen die Kriegskredite gestimmt haben, haben sich genau dieselben Parolen und Stimmungen vorhalten lassen müssen, die man sich jetzt vorhalten lassen muss, wenn man gegen Militäraktionen Skepsis und Zurückhaltung äußert (…). Ist es auf einmal falsch, was wir 40 Jahr lang gesagt haben: dass wir durch unsere Neutralität langfristig mehr für den Frieden tun können, als indem wir uns jetzt an Militäraktionen beteiligen?“

Dafür: Peter Pilz, der dafür mit einem grünen Tabu zu brechen bereit war (im Fahrwasser der deutschen Grünen Daniel Cohn-Bendit und Joschka Fischer): "Wer jetzt noch die EG als den Friedensengel mit der großen Konfliktlösekraft hochleben lässt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Alle Chancen, schon ab 1989 den Krieg mit wirtschaftlichen politischen Mitteln zu verhindern, sind vertan worden (…). Alle guten friedlichen Ratschläge sind unbefolgt geblieben, und wenn die Nachlassverwaltung der österreichischen Friedensbewegung noch hundertmal, Die Waffen nieder‘ ruft, die, die’s angeht, sind längst taub.“

Im Kulturteil präsentierte Klaus Nüchtern unter dem schönen Titel "Heavy Metal im Schtetl“ die neue CD von Geduldig (Edek Bartz) und Thimann (Albert Misak). Auf ihrer neuen CD "a haymish groove“ spielten die beiden mit New Yorker Avantgardemusikgrößen wie Elliott Sharp. Sie erzählen über das geheime chassidische Wien, wie der Fall Waldheim für Juden alles änderte und wie ihr Duo entstand. Die beiden hatten ein paar Lieder einstudiert und die Einladung angenommen, bei einer jüdischen Hochzeit zu spielen. Bartz: "Wir waren nur goschert und haben geglaubt, das geht. Was natürlich nicht der Fall war. Also haben die uns die Lieder gelehrt, die wir ihnen dann vorgesungen haben …“ AT


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