Am Apparat Telefonkolumne

Warum wollen Sie die Ringbäume retten, Frau Stenzel?

Politik | Anruf: Davinia Stimson | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Ursula Stenzel, die Bezirksvorsteherin des ersten Bezirks, wittert eine grüne Verschwörung: Sie glaubt, dass 70 Bäume im Herbst gefällt werden müssen, weil die Grünen einen "Luxusradweg“ errichten wollen. Die Wiener Stadtgärten (MA 42) sprechen hingegen von einer alljährlichen gärtnerischen Routinearbeit.

Frau Stenzel, warum regen Sie sich über normale Gärtnerarbeiten so auf?

Eine Fällung ist sicher keine Routinearbeit. Die MA 42 versucht sich damit herauszureden. Die Ringstraßenbäume wurden vor der Fußballeuropameisterschaft 2008 saniert. Mir kann keiner einreden, dass jetzt 70 Bäume auf einmal gefällt werden müssen.

Die Bäume müssen gefällt werden, weil sie laut Wiener Stadtgärten zu alt sind.

Wenn, dann sind sie schon seit Jahren zu alt. Die Grünen schlagen bei jedem Baum Alarm, aber kaum ist eine Grüne Verkehrsstadträtin, wird das Radfahren forciert und die Ringstraßenbäume sind sekundär. So geht es nicht.

Laut Baumschutzgesetz haben Sie als Bezirksvorsteherin kein Veto. Sie dürfen nur eine Stellungnahme abgeben.

Mir ist völlig egal, ob ich nur Stellungsnahmerecht habe. Ich werde mir Gehör verschaffen. Die Bäume dürfen nicht für einen Luxusradweg Nummer zwei geopfert werden. Ich verlange ein neues Gutachten von einem unabhängigen Gutachter.

Christoph Chorherr von den Grünen sagt, nur ein einziger kränklicher Baum werde wegen des Ringradweges gefällt.

Zeitgerecht für die Errichtung des zweiten Luxusradweges werden 70 Bäume zum Kahlschlag freigegeben. Das soll Zufall sein?

Anscheinend glauben Sie nicht daran.

Nein. Diese Fällung ist ein Eingriff in das Erscheinungsbild einer herrlichen Straße unter verlogenem Vorwand. Das Radfahren soll erleichtert werden und die Bäume sind im Weg. Der Chef der MA 42 ist rücktrittsreif, wenn er so einer Weisung folgt.


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