Schmutzkübel im Kirchenstaat

Politik | Rezension: Franz Kössler | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Ein Journalist veröffentlichte geheime Dokumente des Papstes, die vor allem das zweitausendjährige Erbe der Intrige im Vatikan offenbaren

Es ist der kleinste Staat der Welt, mit dem Fahrrad kann man ihn in einer Viertelstunde umrunden, und er hat nur 572 Staatsbürger. Die Amtssprache ist Latein. Selbst die Bankomaten, automata monetalis, funktionieren mit lateinischen Anweisungen. Der Vatikan strahlt eine skurril unzeitgemäße Aura aus. Aber der Schein trügt: Der Staat im Zentrum Roms ist eine Weltmacht, nicht nur in spirituellen Dingen.

Das Institut für die Religiösen Werke (IOR), die Vatikanbank, war lang Drehscheibe für undurchsichtige Finanztransaktionen. In den 1980er-Jahren gab es Skandale, Pleiten, sogar Morde in seinem Umfeld: Roberto Calvi, eine zentrale Figur der Vatikanfinanz, wurde ermordet, seine Leiche symbolträchtig unter der Londoner Blackfriars Bridge aufgehängt.

Die Vatikanbank verschob Milliardenvermögen, Schwarzgeld und Mafiagelder in Steuerparadiese, vorbei


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