Enthusiasmuskolumne Diesmal: die schönste Sportart der Welt der Woche

Zitatenirrsinn im Schwimmbecken

Feuilleton | Tex Rubinowitz | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Dass die 30. Olympischen Sommerspiele in London wunderbar werden würden, war einem schon während der Eröffnungsfeier klar, bei der Queen Elizabeth II. mit James Bond aus einem Hubschrauber ins Stadion sprang und Mr. Bean mit dem London Symphonic Orchestra unter Leitung von Sir Simon Rattle zu Vangelis’ "Chariots of Fire“ Keyboard mit einem Regenschirm spielte.

Und dann auch noch diese Ballung an großartigen Sportarten, die man nur alle vier Jahre sieht und die dann wieder in irgendwelchen Wahrnehmungsritzen verschwinden oder auf dem Mars: Hammerwerfen, Wasserball und die hoppelnden BMX-Zwergenfahrräder. Selbst der archaische Dreisprung (ZDF-Kommentar: "Warum haben die Italiener so gute Dreispringer? Ist’s die Tradition, liegt’s am Essen?“) bleibt ein staunen machender Quell der Freude, der Facetten und der Faszination.

Bizarrer Höhepunkt der Spiele war indes das Duett-Synchronschwimmen der Russinnen Natalia Ischenko und Svetlana Romashina. Die beiden erinnerten einerseits an die biegsame Replikantin Pris (Daryl Hannah) aus "Blade Runner“ (grell geschminkt, falsche Wimpern, lackierte Haare, Roy-Lichtenstein-Badeanzug), andererseits an Rossy de Palma aus dem Ensemble Pedro Almodóvars - die mit der Riesennase. Sie tanzten schwimmend oder schwammen tanzend zum Hauptthema aus Dario Argentos Horrorfilm aus dem Jahre 1977, "Suspiria“, Gruselmusik von den italienischen Schmockrockern Goblin, atemlose vier Minuten Zitatenirrsinn und Körperbeherrschung, Gold.

Vielleicht sollte das ÖOC lieber in kasachische Kugelstoßerinnen und weißrussische Wassertänzerinnen investieren statt in chinesische Tischtennislegionäre. Dann klappt’s sicher auch mit den Medaillen wieder.


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