Verschifft, verheiratet, verloren

Feuilleton | Buchbesprechung: Sigrid Löffler | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

In "Wovon wir träumten“ erzählt Julie Otsuka vom bitteren Schicksal jener japanischen Katalogbräute, die nach 1919 in die USA gelockt wurden

Einige von uns auf dem Schiff kamen aus Kyōto und waren zierlich und hübsch und hatten ihr gesamtes Leben in abgedunkelten Hinterhofzimmern gewohnt. Einige von uns kamen aus Nara und beteten dreimal täglich zu ihren Vorfahren. Einige von uns waren Bauerntöchter aus Yamaguchi, mit kräftigen Handgelenken und breiten Schultern. Einige von uns kamen aus einem kleinen Bergdorf in Yamanashi und hatten erst kürzlich ihren ersten Zug gesehen. Einige von uns kamen aus Tokio und hatten schon alles gesehen und sprachen ein wunderschönes Japanisch. Viele von uns kamen aus Kagoshima und sprachen einen breiten Süddialekt. Die Jüngste von uns war zwölf und hatte noch nicht einmal die Regel.“

Das ist der Sound von Julie Otsukas Buch "Wovon wir träumten“. Sie nennt es einen Roman, doch genau genommen ist es eine penibel recherchierte historische Dokumentation,


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