Buch der Stunde

Depression als Antwort auf positives Denken

Feuilleton | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Depressionen nehmen zu. Und sind die Folge eines modernen Lebens, das immer weniger auf Disziplin und Gehorsam und immer mehr auf Eigeninitiative und Entscheidung beruht. Das macht müde, konstatierte schon Alain Ehrenberg in seiner einflussreichen Studie "Das erschöpfte Selbst“ (1998, dt. 2004). Konstantin Ingenkamp hat gegen eine solche Sicht viele Einwände: Depression und Melancholie habe es immer schon gegeben, sie seien notwendiger Begleiter des "zivilisierten Menschen“.

Im Gegensatz zu anderen Krankheiten wird Depression nicht durch Krankheitserreger hervorgerufen, auch eine genetische Disposition kann bis heute nur vermutet werden. Da ihre Biologie immer noch nicht verstanden ist, stellt sie vorerst bloß die Summe ihrer im Vorfeld von Fachleuten willkürlich definierten Symptome dar, eine therapeutische Erzählung zur Patienten- und Klientengewinnung sowie zur Gewinnmaximierung.

Ingenkamp rollt das bis zur Aufklärung eher positive Bild der Melancholie von der Antike her auf.


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