Nüchtern betrachtet

Manche schenken sich Wegdrückgutscheine

Feuilleton | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Man kann nicht nicht kommunizieren, besagt das sogenannte metakommunikative Axiom. Es ist dies gewiss ein kluger Gedanke, aber weiterhelfen tut er einem auch nicht. An sich würde ich nämlich ganz gerne hin und wieder nicht kommunizieren. Sobald ich aber damit beginne, peinigt mich die Angst, meine Nicht-Kommunikation könnte falsch verstanden werden und liebe Mitmenschen kränken, verletzen oder in Depressionen stürzen. Davon werde ich schwermütig.

Andere sind da wesentlich robuster. Immer wieder beobachte ich Mitmenschen dabei, wie sie Handyanrufe ganz ungerührt wegdrücken. Sie scheinen von den Weggedrückten mit einer Art Generalabweisungsvollmacht ausgestattet worden zu sein. Ich halte es für durchaus möglich, dass sich Paare, die das Stadium, da sich ein Schwarm Schmetterlinge im Bauch der/des Angerufenen erhebt, längst hinter sich haben und schon im genervten "Jaaaaa, Schatzi?!“-Stadium angekommen sind, gegenseitig zum Geburts- oder Hochzeitstag Wegdrückgutscheine schenken,


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