Stadtrand Urbanismuskolumne

Mit Kanonen auf Spatzen schießen

Stadtleben | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Früher hat sich am Rudolfsplatz die Jugend ins Koma gesoffen. Aber entweder hat ausnahmsweise ein Riegel, den die ehemalige TV-Sprecherin vorgeschoben hat, gehalten, oder die Kids sind durch mit den Alkopops. Ist ja auch schon fast ein Jahrzehnt her. Jedenfalls ist auf dem Platz der Alltag eingekehrt und der ist bedeutend düsterer. Immerhin konnte man bei den Jugendlichen wenigstens darauf hoffen, dass sie wochentags weniger selbstzerstörerische Dinge tun.

Der Platz ist jetzt wieder Wohn- und Schlafzimmer sowie Toilette von erwachsenen Obdachlosen und Trinkern verschiedener Nationen: Auf den Bänken wird debattiert und geplaudert und auf der Wiese hinter dem Gebüsch das eine oder andere Nickerchen gehalten und sich erleichtert. Das ist seit Jahr und Tag so.

Diese Woche kam allerdings wieder einmal der Räumungsbefehl: drei Polizeibusse und Beamte mit Plexiglasschildern. Die meisten von ihnen blieben in den Bussen sitzen, weil es regnete. Aber immerhin zwei sind ausgestiegen, um die Handvoll Obdachlosen wegzudiskutieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige