Hundert Jahre Gemeinsamkeit

Stadtleben | Dokumentation: Birgit Wittstock | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Einst zeigte Wien der Welt, was sozialer Wohnbau können soll - bis der Stadt das Geld ausging. Wie weiter?

Auf einer Bank im Schatten alter Lindenbäume sitzt eine üppige Frau, vor ihr auf dem Boden steht ein Bottich voller Erdäpfel, aus dem sie immer wieder einen nimmt, um ihn zu schälen. Die braunen Schalen fallen dabei in das Zeitungspapier, das sie auf ihrem Schoß ausgebreitet hat. Ihre Hände bewegen sich so, als hätten sie in ihrem Leben nichts anderes getan, als Erdäpfel zu schälen. Währenddessen plaudert sie mit ihrer Sitznachbarin, die sich mit einem selbstgebastelten Papierfächer Luft zuwedelt. Alle paar Minuten wischen sie sich abwechselnd mit einen Frottiertuch den Schweiß von den glänzenden Gesichtern.

Die Hitze hat ein gutes Dutzend der Bewohner des Fröhlich-Hofs aus ihren Wohnungen in den schattigen Innenhof getrieben: Schnauzbärtige Männer spielen Backgammon, andere tarockieren oder plaudern Sonnenblumenkerne kauend bei einem kühlen Bier. Kinder zeichnen mit


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