Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Rock ’n’ Roll war einmal

Steiermark | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Vorige Woche ist er zurückgekehrt, und den K2, seinen Schicksalsberg, hat er jetzt bestiegen. Am 31. Juli war es so weit - der steirische Alpinist Christian Stangl (46) stand auf dem Gipfel des K2, der mit über 8600 Meter im Grenzgebiet zwischen Pakistan und China residiert. Vor zwei Jahren behauptete Stangl schon einmal, dass er oben gewesen sei, musste aber nach Recherchen des Falter gestehen: Das Gipfelfoto ist ein Fake.

Jetzt dürfte er es tatsächlich geschafft haben. Nicht zuletzt ein 360-Grad-Video, das Stangl auf dem Gipfel gemacht hat, dürfte das beweisen. Jedes österreichische Blatt hat davon berichtet. Warum eigentlich?

Ist schon klar, dass man dem Burschen genau auf die Finger schaut. Allerdings waren vor ihm schon hunderte auf dem K2. Stangl vermarktete sich selbst als "Skyrunner“. Es ging nicht einfach ums Raufkommen, sondern darum, das Ding alleine durchzuziehen und vor allem: um die Geschwindigkeit. Davon war eigentlich nicht mehr die Rede. Mit zwei Polen war er unterwegs, dem Falter erzählte er, das sei die "nächste Generation“ und "brutal leistungsfähig“. Man kann also sagen: Stangl selber ist nicht mehr Rock ’n’ Roll. Dass er nur noch einen Gipfel braucht, um die drei höchsten Gipfel aller sieben Kontinenten bestiegen zu haben, ist beachtlich, aber die rasante Gipfelstürmerei scheint vorbei.

Schön aber, dass aus dem verbissenen Einzelkämpfer nicht zuletzt ein richtig soziales Wesen wurde: In Zukunft möchte er Gipfel vermessen, zu denen bislang unterschiedliche Höhenangaben vorlagen. Auch das ist zweifelsohne nicht mehr Rock ’n’ Roll, aber es könnte zumindest ein würdiges Alterswerk werden.


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