Heidi List Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Zombies

Kolumnen | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Kürzlich fuhr ich im Zug von Salzburg nach Wien. Der war knallvoll, von Urlaubern sowieso, aber auch mit Jugendlichen, die Richtung Ungarn zum Sziget-Festival pilgerten. An mir brüllte permanent ein Säugling, was aber im Festivalwagon nicht weiter aufgefallen ist.

Die Ohren so ziemlich aller Passagiere waren von Kopfhörern ummantelt, und alle hmmmten so für sich und vor sich hin. Die Blicke waren auf ihre Smartphones gerichtet. Spooky. Also, so geht’s doch bitte nicht. Keiner spricht, keiner schaut, keiner macht Witze. Keiner hat eine Ausstrahlung. Die totale Audistengeneration. Wer bitte soll einmal unsere Pensionen zahlen? Wie sollen sich so Paare finden und Kinder zeugen, geplant, ungeplant, wurscht? Da lob ich mir die Zeiten, wo man in den Zügen nach spätestens der dritten Station reihern gehen musste. Und wo man dann umsorgt wurde - und spätestens beim Aussteigen wusste, auf wen so zirka man für dieses Wochenende einen Stand haben wird.

Eine alte Dame hat mir dann beim Aussteigen mit dem Kinderwagen geholfen. Sie hatte einen Hörapparat, der ist der Säugling aufgefallen.


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