Tiere

Eierspeise

Falters Zoo | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Man hat, was man isst, dachte sich Ljubomir Erovic und organisiert seit 2004 den "Ball Cup“. Dort werden aber nicht Bälle getreten, sondern Hoden im harten Wettbewerb weichgekocht. Beim Festival (nur Witzelsüchtige sagen Testival) werden nicht nur männliche Testikel kulinarisch aufbereitet, sondern Teilnehmer und Gäste kampieren im Wald, hacken Holz für ihre Feuerstellen und machen selbst Musik. Very unplugged.

Beginn des Events ist am 31. August, es dauert drei Tage und die erste Hürde besteht darin, den in tiefster serbischer Einschicht lokalisierten Ort zu finden: Lunjevica, Nähe Gornji Milanovac steht auf der Website und das hat ungefähr so viel Informationsgehalt wie Wappeltsham, Nähe Eberschwang.

Zubereitet werden Hoden von 16 verschiedenen Tierarten, wobei man betont, dass keins der Tiere eigens dafür geschlachtet wurde. Man verwerte hauptsächlich die "Reste“, die bei der Kastrierung von Haustieren anfallen.

Der Verkauf von Stier- und Schweinshoden war in Österreich lange Zeit verboten. Fleischhauern war es seit Zeiten der Monarchie "aus hygienischen Gründen“ untersagt, tierische Körperteile weiterzugeben, "die sich an den Geschlechtsorganen befinden“. Wie auch in anderen Kulturen wurde angebliche "Sauberkeit“ als Vorwand für ein Nahrungstabu verwendet. Zwar wurden diese Tierteile unter der Theke immer gehandelt, in der Gastronomie werden sie bis heute unter beschönigenden Namen angeboten: Stierseckel ist der rurale Ausdruck, Weiße Nierndln oder Animelles heißen sie unter Gourmets.

Wem Serbien für eine Reise zu nahe liegt, der wird auch beim Rocky Mountain Oyster Feed in Idaho, USA, hormonell gut bedient. Auch dieses Festival bietet unter euphemistischem Namen diverse kulinarisch zubereitete Hoden an. Von welchen Lebewesen die Testikel stammen, erfährt man aber nicht.

Da kann man nur hoffen, dass folgende Geschichte nur ein Witz bleibt: Ein Tourist hat in einem spanischen Lokal Stierhoden bestellt und eine riesige Portion bekommen. Als er im nächsten Jahr wiederkommt und das Gericht nochmals ordert, stellt ihm der Kellner nur einen Teller mit einer sehr kleinen Portion auf den Tisch. Auf seine Frage, warum die Menge der Speise heuer so gering ist, antwortet der Kellner: "Einmal gewinnt der Torero, einmal gewinnt der Stier.“

come on baby you drive me crazy/goodness gracious/great balls of fire

Jerry Lee Lewis

zeichnung: püribauer.com


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