Kritik

Wilde Besäufnisse für einen guten Zweck

Lexikon | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Ein Achtel kostet in der Cafeteria des Kunsthistorischen Museums 3,40 Euro. Die Münzen liegen in einer Vitrine der Ausstellung "Kunst_voller_Wein“, neben altrömischen Denaren, die den entsprechenden Weinpreis der Antike darstellen. Mit diesem Detail vermittelt das Museum die konstante Wertschätzung des Getränks, das sowohl eine religiöse als auch eine künstlerische Bedeutung hatte. Der griechische Gott Dionysos, der im römischen Reich den Namen Bacchus erhielt, wird mit Wein assoziiert, steht für das triebhaft Tierische. Antike Statuen zeigen einen jungen Mann, um dessen Bein sich eine Rebe rankt. Griechische Vasen erzählen in szenischen Darstellungen die Geschichte von Dionysos, einem Sohn von Zeus und einer Königstochter.

Die Schau findet im Rahmen der ambitionierten Ausstellungsreihe "Intermezzo“ statt, in der das Kunsthistorische seine Sammlungen in die Auslage stellt. Der thematische Zugang ermöglicht des den Kunsthistorikern, Objekte aus unterschiedlichen Genres und Epochen zusammenzubringen. Bacchus und der Wein taucht auf einer Brüsseler Tapisserie von 1695 auf, die den jungen Gott in einer Landschaft umgeben von Nymphen zeigt. Jan van Dalen malte Bacchus als rotbackigen Säufer.

Die Wirkung des Weins war bereits im Altertum Anlass für moralische Entrüstung. "Sobald die überwältigende Kraft des Weines die Herrschaft über und gewonnen, tritt jedes bisher verborgene Laster zutage“, schrieb Seneca. Das Museum besitzt ein einzigartiges Stück, das die Geschichte von Rausch und Verbot illustriert. Die Bronzetafel des Senatus Consultus enthält eine Abschrift des Gesetzes aus dem Jahre 186 v. Chr, das Verbot der Bacchanalien, der für Bacchus durchgeführten transgressiven Kulthandlungen. MD

Kunsthistorisches Museum, bis 2.9.


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