Neu im Kino

Keine große Hexerei: "Red Lights“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 33/12 vom 16.08.2012

Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen glauben, sie hätten spezielle Kräfte, und die anderen meinen, wir würden sie nicht durchschauen. Beide täuschen sich.“ Denn Margaret Matheson (Sigourney Weaver) durchschaut sie alle, die Scharlatane, Wunderheiler und Hellseher, die den Leichtgläubigen entweder das Geld aus der Tasche ziehen oder sich einen Jux mit ihnen machen.

Matheson hat einen Lehrstuhl für Aufklärung paranormaler Vorfälle und bedient sich im Außendienst ihrer untrügerischen Menschenkenntnis und ihres folgsamen Adlatus Buckley (Cillian Murphy), eines gescheit(elt)en Physikers. Regisseur Rodrigo Cortés, der zuletzt in "Buried“ seine Hauptfigur lebendig begraben hat lassen, folgt seinen beiden Sympathieträgern ebenso diszipliniert wie diese ihre Arbeit verrichten.

Zunächst reihen sich also mehrere kleine Enthüllungsstorys aneinander, weil Lug und Betrug hier nicht im Auge des Betrachters entstehen, sondern vor diesem aufgedeckt werden. Das funktioniert dramaturgisch so lange gut, bis das ungleiche Paar einen ebenbürtigen Gegner vorgesetzt bekommt: Robert De Niro tingelt als blinder Wunderwuzzi mit heilsamen Bühnenshows durchs Land, operiert mit bloßen Händen und sagt Sätze wie: "Wir alle wollen etwas sein, das wir nicht sind.“

Ab diesem Zeitpunkt fallen den beiden streitbaren Aufklärern nicht nur ihre verdrängten Traumata in den Rücken, sondern ufert der Kampf zwischen Wissenschaft und Hexerei in tolldreiste Effekthascherei aus. Im Finale muss sich "Red Lights“ deshalb leider jenen Vorwurf gefallen lassen, den der zum Helden aufgestiegene Buckley den paranormalen Schwindlern macht: uns mit einer billigen Show blenden zu wollen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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