Radwege von nirgends nach nirgendwo

Erfahrungsbericht: Franz Kössler | Politik | aus FALTER 34/12 vom 22.08.2012

In Wien herrscht ums Thema Radfahren Hysterie. In Rom Anarchie, die zwar gefährlich ist, aber ihren Reiz hat

Seit einem Monat bin ich Radfahrer in Rom. Der Helm ist bei der Übersiedlung in Wien geblieben. Das Fahrrad, von der Bewährungshilfe Neustart aus verschiedenen Teilen professionell zusammengesetzt, fährt zuverlässig. Für Diebe sieht es unattraktiv aus.

Audaces fortuna iuvat, sagten die alten Römer, den Mutigen hilft das Glück. Zugegeben, der Anfang war nicht ohne. Ich habe in meiner Jugend im römischen Verkehr Autofahren gelernt - dennoch löst das Chaos, in dem sich Autos, Busse, Vespas, Motorräder, Roller, Touristenmassen über die Plätze wälzen, im ersten Augenblick eine gewisse Verunsicherung aus.

Verkehrstafeln scheinen grundsätzlich eher als Vorschlag gedacht zu sein denn als Vorschrift, die zu respektieren ist. Auch eine rote Ampel heißt noch nicht, dass alle stehenbleiben. Fahrräder sind als eigene Kategorie gar nicht vorgesehen. Ein Radfahrer muss die existenzielle

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