Jede Revolution beginnt mit Schulden

Politik | Rezension: Julia Kospach | aus FALTER 34/12 vom 22.08.2012

Der Anarchist David Graeber zeigt, unser modernes Verhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner entmenschlicht die Gesellschaft

Es ist, schreibt David Graeber, eine erstaunliche und fatale Fähigkeit des Geldes, Moral in eine Sache unpersönlicher Arithmetik zu verwandeln. Ganz besonders, wenn es um Schulden geht. Im Dienste der Schuldenrückzahlung muss nichts mit einkalkuliert werden als "Kapital, Salden, Sanktionen und Zinssätze“, und "wenn Sie zuletzt Ihr Heim aufgeben und in andere Provinzen abwandern müssen, wenn Ihre Tochter als Prostituierte im Holzfällerlager endet - nun, dann ist das beklagenswert, aber unerheblich für die Gläubiger“.

Wir haben uns laut Graeber so sehr an diese schulterzuckende Da-kann-man-leider-nix-machen-Logik gewöhnt, dass sie uns wie eine Naturgewalt erscheint, die jeden treffen kann, der das Pech hat, in eine Schuldenfalle zu tappen; denn ein weiteres vermeintliches Naturgesetz unserer Zeit lautet: Schulden müssen zurückgezahlt werden!

Wenn dann


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