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Ein Land macht Ernst

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 34/12 vom 22.08.2012

Beinah hätte man denken können, Landes- und Stadtpolitik gäben sich nach dem klaren Nein der Grazer zur Umweltzone endgültig geschlagen und ließen den Feinstaub halt Feinstaub sein, hustende Grazer hin, drohende EU-Strafzahlungen her.

Wie ungerecht! Holte die Politik doch nur zum Paukenschlag aus: Das Land macht Ernst - und verkündet mutig einen Ideenwettbewerb. Via Joanneum Research wendet es sich an "alle kreativen Forscherköpfe, die etwas bewirken und sich nicht aus dem Staub machen wollen“. Die Auslober denken etwa an Filter, die den Dreck wieder aus der Luft holen. Die Einreicher sollen aber bitte plausible Kalkulationen zum Wirkprinzip, zur Kosten- und Energieeffizienz mitliefern.

Gefrotzelt fühlen müssen sich da nicht nur all jene, deren Gesundheit durch den Feinstaub leidet und die rasche Besserung nötig hätten. Auch alle Umwelt- und Verkehrsexperten, die seit Jahren an dem Problem forschen, längst alles kalkuliert haben und regelmäßig bei Landtags-Feinstaubenqueten und Rathaus-Expertengipfeln vorsprechen sollen.

Sie haben schon vor Jahren Lösungen auf den Tisch gelegt und erst anlässlich der "BürgerInnenbefragung“ erneut gesagt: Jetzt muss der Verkehr spürbar eingedämmt werden, es braucht in Ballungszentren etwas Einschneidendes wie Umweltzonen, Citymaut oder noch viel höhere Parkgebühren - und eben keine Pipifaxmaßnahme dort und ein Pilotprojektchen da, mit dem das eine oder andere Promille Feinstaub weggebracht werden kann. Es braucht keine neuen Erfindungen, es braucht Entscheidungen. Gefragt sind mutige Politikerköpfe, die etwas bewirken und sich nicht aus dem Staub machen wollen.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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